Beachtime Travelling auf der RETRO CLASSICS 2017

Stuttgart, 02.-05.03.2017 Europas größte Oldtimer-Messe öffnet ihre Türen.

Auf 130.000 Quadratmetern präsentieren  mehr als 1500 Aussteller über 3500 Autos und Motorräder in den Stuttgarter Messehallen.

In diesem Jahr steht Norditalien, das „Land der Motoren“,  im Mittelpunkt. Das Museo Panini & Stanguellini lässt die Automobilgeschichte Modena wieder aufleben und zeigt begehrenswerte Maserati-Modelle aus dem Besitz Umberto Paninis. Gegenüber gibt es Wein, San Pellegrino und Foccacia mit Spanferkel. Beachtime Travelling auf der RETRO CLASSICS 2017 weiterlesen

Alfa Romeo und Quadrifoglio verde

Das schöne Markenzeichen von Alfa Romeo trägt durchaus eine tragische Geschichte mit sich.
Der Alfa-Werksfahrer Ugo Sivocci malte 1923 das vierblättrige Kleeblatt als Glücksbringer auf seinen Tipo RL. Damit wollte er einen glücksbringenden Ausgleich dafür schaffen, dass ihm die Veranstalter der Targa Florio die Startnummer 13 zugedacht hatten. Der Erfolg gab ihm recht: Sivocci gewann die Targa Florio. Im September des gleichen Jahres wollte Sivocci das Quadrifoglio am neuen Alfa Romeo P1 anbringen.
Doch die Verantwortlichen hatten ihren Schaff damit, den Rennwagen überhaupt pünktlich zum Test nach Monza zu bringen. In der Hektik wurde das Anbringen des Kleeblatts vergessen. Ugo Sivocci ging ohne den Glücksbringer auf die Strecke und verunglückte tödlich. Seine Teamkollegen Enzo Ferrari, Antonio Ascari und Giulio Ramponi beschlossen daraufhin, das Kleeblatt fortan immer als Glücksbringer und in Gedenken an ihren Freund zu verwenden. Vier Fahrer – vier Blätter – das Markenzeichen von Alfa Romeo. Drama, Glamour, Emotion.

Oh Giulia… schnelle Schwester aus Italien

Vor 2 Wochen war es dann soweit – unser Rendezvous mit der schönen Italienerin. Ihr Markenzeichen: Das vierblättrige Kleeblatt. Quadrifoglio (verde).

Typisch Alfa Romeo - das grüne vierblättrige Kleeblatt
Das Quadrifoglio verde ist seit mehr als 90 Jahren bei Alfa Romeo an Bord…

Launisch? Zickig? Eher nein, aber: Sie hat Temperament. Und ein lautes Organ. Dennoch ist sie elegant. Ein echtes Topmodell mit 510 PS und einem wunderschönen Hinter…radantrieb.
Das, was viele wahren Alfa-Fans so schmerzlich vermissten und was für viele den typischen Kern der Marke ausmachte.

 

Liebe auf den ersten Blick

Zugegeben, etwas nervös war ich wohl, denn auch wenn ich schon einige Sportwagen bewegen durfte, einen 510 PS-starken V6-Biturbo-Motor war ich bislang noch nicht gefahren. Erst recht keine Ferrari-Entwicklung. Oder war es jetzt doch Maserati?!
Zunächst hieß es ja, dass der V6-Biturbo aus Maranello stammte oder dass Ferrari zumindest beim Feinschliff des Motors Alfa unterstützte. „Non vero“, sagte man bei Alfa Romeo daraufhin, stimmt nicht. Es sei eine komplette Eigenentwicklung. Das Datenblatt führt die Maschine unter der Typennummer „Maserati 670050436“ …nun ja – Ferrari, Maserati oder doch Alfa, es ist auf jeden Fall ein italienischer Motor drin.

 

La meccanica delle emozioni: Alfa Romeo Giulia
Die Proportionen sind perfekt, harmonisch. So steht sie da – unsere Giulia.

 

Hier steht sie nun, die Lady in red. Um genau zu sein, in Rosso Competizione. Brava! So gar nicht unscheinbar, gar nicht gewöhnlich. Weder harmlos noch züchtig. Ein Hingucker. Kampfeslustig und impulsiv – eine Bella Donna, bei der auch mal die Fetzen fliegen könnten.
Sollte ich da jetzt eifersüchtig werden? Nun ja, als Frau muss man sich schon damit abfinden, dass die Giulia einem die Show stehlen wird. Unmöglich mit ihren Reizen mitzuhalten.

Unsere Giulia ist nicht nur sportlich, sie ist auch filigran. Motorhaube und Dach sind aus Kohlefaser gefertigt, was ihr ein „Kampfgewicht“ von ca. 1655 kg sichert. So ist es nicht verwunderlich, dass sie sich doch ziemlich grazil und leichtfüßig über den Asphalt bewegt.

 

Auf geht’s!

Also – erstmal einsteigen. Mal umschauen. Roter Startknopf am Lenkrad, Tacho bis 330, schlanke Sportsitze, ein aufgeräumtes Cockpit, sechs handzuschaltende Gänge.
Gurt anlegen, Startknopf drücken, das erste Aufheulen des Motors genießen und los geht’s…
Bereits nach einigen hundert Metern wird mir klar: Mit der Giulia kann ich unbeschwert Gas geben. Sicher liegt sie auf der Straße, sportlich begnadet bewegt sie sich durch die Kurven – und macht dabei einfach immer eine gute Figur. Dank Keramikscheiben bremst sie exakt und sicher, so dass es mich keine Überwindung kostet mit dem rechten Fuß mal ordentlich Druck zu machen.
Die 307km/h in der Spitze erreiche ich nicht, das lassen unsere Verkehrsverhältnisse nicht zu. Bei knapp 250km/h ist Schluss. Nochmals ein prüfender Blick auf den Tacho, das fühlt sich noch nicht mal richtig schnell an, eher souverän gleiten wir über die Autobahn.

 

...ein bisschen Ferrari
…ein bisschen Ferrari

 

Fahrerwechsel

Auch als Beifahrer hat man Spaß mit der Giulia. Nein, damit meine ich nicht die doch etwas ausführlicheren Versuche meinerseits die Logik des Navis zu verstehen. Grrrr…
Mein Fahrer wagt sich in den „Race“-Modus. Dann sind ESP und Traktionskontrolle ausgeschaltet. Beim Herunterschalten gibt der Sechszylinder automatisch Zwischengas.
Das Temperament der schnellen Schwester kann man nämlich mit dem  „DNA“-Schalter in der Mittelkonsole etwas zügeln (im Effizienz-Modus), oder sie etwas mehr schreien lassen (Dynamik-Modus: Motorsound: Plus 100 Prozent) oder eben vollkommen freien Lauf lassen (Race-Modus). Wir geben ihr ein bisschen Freiheit sich auszutoben, aber wir bleiben respektvoll und wachsam.

 

Nach dem Giulia-Wochenende

Was machen wir nun mit dieser schönen Dame?
Leider hieß es nach dem Wochenende erstmal Abschied nehmen, da es sich um ein seltenes Vorführmodell des FCA Motor Village Frankfurt handelte. Wer eine längere Beziehung mit der Giulia eingehen möchte, muss Geduld haben und mindestens sieben Monate auf sie warten können.

Die Giulia gewinnt die Design Trophy 2016 des Fachmagazins AUTO ZEITUNG und das "Goldene Lenkrad" 2016. Außerdem ist sie von der Vereinigung italienischer Automobil-Journalisten zum "Auto des Jahres" in Italien gekürt worden - kein Wunder, mit diesem hübschen Gesicht...
Die Giulia gewinnt die Design Trophy 2016 des Fachmagazins AUTO ZEITUNG und das „Goldene Lenkrad“ 2016. Außerdem ist sie von der Vereinigung italienischer Automobil-Journalisten zum „Auto des Jahres“ in Italien gekürt worden – kein Wunder, mit diesem hübschen Gesicht…

 

Mit der Sport-Limousine in den Urlaub

Prima, dachten wir uns – in sieben Monaten ist Sommer. Da wollen wir doch nach Italien fahren. In die Toskana und durch Südtirol. Warum nicht mit der Giulia?!
Dann könnten wir mal schauen, wie sich die Schöne in den Kurven des Rechenpasses schlägt oder wie sie sich in den Jaufenpass schmiegt.
Ganz sicher wird sie eine gute Figur machen, wenn sie – in der Toskana angekommen – vor einem idyllischen Weingut parkt. Ich freue mich jetzt schon auf die Fotomotive!
Dazu dann mehr in sieben Monaten…

Heute stellen wir der Giulia einfach nur die Frage: Bist du urlaubstauglich?

Erste Herausforderung: die Gepäckverladung
Der Kofferraum der Giulia erscheint mir ausreichend tief (480 Liter Fassungsvermögen). Außerdem ist dann ja Sommer, da fällt das Gepäck zur Not einfach ein bisschen kleiner aus. Rückbank umlegen ist übrigens nicht möglich.

Zweite Herausforderung: der Reisekomfort
Die Sportsitze sind definitiv schön anzusehen. Schlank und hart. Damit mindestens fünf bis sechs Stunden am Stück unterwegs sein? Hm, das wird spannend.

Dritte Herausforderung: Fahrspaß auf der Holiday Road
Aber sicher!

Vierte Herausforderung: eine sichere Navigation
Ehrlich, ich befürchte das wird die Schwachstelle unseres Urlaubs-Mobils. Mit der Bedienung der Navigation bin ich (noch nicht) richtig warm geworden, Internet oder Echtzeit-Stauinfos werden meines Erachtens nicht angeboten. Überhaupt scheint das Thema „Internetverbindung“ für die Giulia noch ungelöst.

Vierte Herausforderung: schön, schnell und sportlich sein
Haken dran.

Unser Fazit: Wer braucht schon Platz & Internet, wenn 510 PS die Hinterreifen antreiben? 🙂
Die Giulia ist sicherlich nicht das vernünftigste Urlaubsauto, aber das Schönste.

 

 

 

 

Wir taten es aus Liebe – Eine (Zeit-)Reise zu Alfa Romeo nach Arese

LA MACHINA DEL TEMPO – MUSEO STORICO ALFA ROMEO

Wer Mailand besucht und mit einer „Zeitmaschine“ in die Geschichte einer faszinierenden Automobilmarke eintauchen will, sollte Milano auch mal verlassen und nach Arese fahren.

Wieso?
Arese ist – man möge mir verzeihen – eine eher unspektakuläre Industriestadt mit ca. 20.000 Einwohnern. Bekannt wurde sie allerdings als Produktionsstätte von Alfa Romeo und als Namensgeber des legendären „Arese V6“ -Motors.
Von 1963 an wurde dort unter anderem die Giulia gefertigt. Damals blühte die Alfa-Produktion in Arese und herrschte über ein zweieinhalb Millionen Quadratmeter-großes Gelände. Das tragische Ende folgte, als Alfa Romeo 1986 von FIAT übernommen wurde. Die Produktion im Werk Arese wurde sukzessive abgebaut und 2005 final stillgelegt. 2011 schloss dann auch noch das Museum, welches seit 1976 die Höhepunkte der Marke dokumentierte.

Und heute?
2015 hat das Museum mit der Ausstellung „La Machina del Tempo“ wiedereröffnet. Wann sonst hätte die Zeitreise in die glorreiche Vergangenheit besser gepasst als zum 105-jährigen Firmenjubiläum und zum Launch der neuen Giulia, die dem angeschlagenen Konzern wieder zu neuem Glanz verhelfen soll.

Viel Beton und hohe Mauern zieren das Gelände, es wirkt etwas verblasst. Das eigentliche Fabrikgebäude steht unter Denkmalschutz.

Zugegeben, schön geht anders. Schon die Fahrt über die 8-spurige A 13 nach Arese war nicht zwingend ein Highlight. Doch dann stehen wir letztlich vor dem historischen Fabrikgebäude, in dem alles begann – die Geschichte von Romeo & Giulia.
Und drinnen waren dann doch einige italienische Schönheiten zu bewundern.

Unser Rundgang beginnt im Abschnitt „Timeline“ und 19 Autos, die in einer  chronologischen Kreisform angeordnet sind. Aus der Mitte des Kreises erstreckt sich der Alfa Romeo DNA-Strang, der sich durch alle Stockwerke und Abteilungen zieht. Die zweite Etage trägt den Titel „Beauty“ und widmet sich ganz dem Thema „Design“. Hier finden sich außergewöhnliche Prototypen wieder, welche die Ästhetik der damaligen Alfa-Designer wie Sergio Pininfarina, Elio Zagato, Franco Scaglione und Nuccio Bertone widerspiegeln.
Schließlich gelangen wir in die Abteilung „Speed“ und zum „Tempel der Sieger“ im Untergeschoss des Museums. Hier stehen die sportlichen Erfolge von Alfa im Mittelpunkt.

Mein Fazit: Unbedingt anschauen!
Doch die Erwartungen etwas „runterschrauben“. Das Museum ist nicht perfekt,  hier und da hat es ein paar kleine Mängel.
Schönes Design, doch die Verarbeitung ist mäßig. Was soll ich sagen – das ist Authentizität – wie die Autos, so das Museum. Und so haben wir schmunzelnd ein paar „out of order“-Schilder passiert.

Wir werden sicher nochmals wiederkommen, in der Hoffnung, dass sich die Fahrzeugausstellung vielleicht noch ein wenig erweitert hat. Wie wäre es denn zum Beispiel mit einer GTV 6? Die James Bond-Beauty aus Octopussy design by Giorgetto Giugiaro hat definitiv die Lizenz ausgestellt zu werden.